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19 Sep 2009

Micha und das Messianische Reich

Erstellt von Matthias Viraureus

Bei meinen Studien zum Propheten Micha stieß ich im Kommentar von Bruce K. Waltke (2007 mit dem schlichten Titel “”A Commentary on Micah” bei Eerdmans erschienen) kürzlich auf folgendes Zitat, das mir nicht nur für die Interpretation des Michabuches als hilfreich erscheint. Auf Seite 43 schreibt der Alttestamentler (Reformed Theological Seminary, Orlando):

Gott sprach im Alten Testament zu verschiedenen Zeiten auf unterschiedliche Art und Weisen (Hebr 1,1). Mit Mose sprach er von Angesicht zu Angesicht (2.Mo 33,11; 5.Mo 34,11). Zu seinen inspirierten Weisen sprach er durch ihre Beobachtungen der Schöpfungsordnung und ihr Nachdenken darüber (vgl. Spr 2,6; 24,32). Den Propheten teilte er seine Botschaft durch Träume und Visionen mit, welche diese wiederum ihren Zuhörern weitergaben (vgl. 4.Mo 24,3-4; 15-16).
Dieser Unterschied ist für die Schriftauslegung von großer Bedeutung. Untergeordnete Offenbarungsformen, wie die rätselhaften Visionen der Propheten, haben ein geringeres Gewicht als die übergeordneten Offenbarungsformen, wie die klaren Angesicht-zu-Angesicht-Begegnungen Gottes mit Mose. Diese Wahrheit macht Gott auch dem Propheten Aaron und der Prophetin Miriam in 4.Mo 12,6-8 klar.
Dementsprechend hat die klarste Offenbarung Gottes in seinem Sohn, Jesus Christus, Vorrang vor allen alttestamentlichen Offenbarungen. Wie ich dargelegt habe*, muss bei jeglicher Spannung zwischen unserer Interpretation des Alten Testaments und der des Neuen Testamentes, der neutestamentlichen den Vorrang gegeben werden. Ein konkretes Beispiel**: Das Neue Testament lehrt kein Tausendjähriges Reich, in dem Israel als politisches Königreich wiederhergestellt wird, sondern eher eine “realisierte Eschatologie”, die besagt, dass das Königreich Christi heute seine Erfüllung in der Kirche gefunden hat und in der neuen Schöpfung zur Vollendung kommen wird.

Michas Weissagungen über das Messianische Zeitalter müssen gemäß den deutlichen Lehren des Neuen Testamentes interpretiert werden, wobei das symbolische Buch der Offenbarung außen vor bleiben muss. Sie sollten nicht nach einem prämillenialistischen Schema ausgelegt werden, das sich auf alttestamentliche Prophetie und apokalyptische Literatur, anstatt auf die klaren Lehren Christi und seiner Apostel stützt. Nach Pfingsten erwähnten die Apostel niemals eine nationale Wiederherstellung des politischen Israel. Vielmehr sieht Paulus die Wiederherstellung des ethnischen Israels in das Königreich Christi voraus (Röm 11,1-26).

* B. K. Waltke, “The Authority of Proverbs”, Presbyterion 13 (1987) 77-78.
** B.K. Waltke “Kingdom Promises as Spiritual”, in Continuity and Discontinuity, ed. J. S. Feinberg (Westchester, Ill.: Crossway, 1988), 263-87.

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